Man muss doch darüber schreiben!

Bezüglich DDR- Geschichte wird gerne viel verklärt. So mancher braucht es für die Psyche. Es war doch nicht alles schlecht…

Wehe, wenn genau das jemand über Hitlerdeutschland sagt… wir messen- und das sogar juristisch-  nicht nach Anzahl der Toten- jedes zerstörte Leben zählt! Hier kommt es nicht auf die Perspektive an, aus der man das betrachtet. Wer wegschaute, wer sich duckte, wer verblendet war, hat auch Schuld auf sich geladen, geschweige denn diejenigen, welche sogar profitierten. Es gab immerhin viele, die sich nicht duckten, die Zuchthaus, die Nachteile in Kauf nahmen. Die Profiteure lebten auf Kosten der Unterdrückten, indem sie  dieses menschenverachtende System trugen. Viele haben nur kleine Räder gedreht- davon sind aber unzählige, nicht systemkonforme Mitbürger zermalmt worden. Vielen war sogar die Freiheit wichtiger, als das Leben. Über diese Menschen spricht man sehr wenig, wenn überhaupt. Sie sind also umsonst für die Demokratie gestorben.

Deshalb entsteht jetzt endlich nach 20 Jahren mühsamster Recherche das Buch: Abgeholt zur Vernichtung. Ein Titel mit doppelter- sogar 3-facher Bedeutung:

Abgeholt zur Vernichtung wurden in zwei deutschen politischen Systemen Menschen. Das SED- Regime aber brachte es zudem fertig, auch noch  dazugehörige Akten zu vernichten, um eine Aufklärung unmöglich zu machen.

Dabei half die seit Jahrzehnten ausgeklügelte Desinformationspolitik der Staatssicherheit. Eine Blamage für die der Stasi auf den Leim gegangene Bürgerrechtsbewegung der DDR.  Dadurch wurden wichtige Dokumente unwiderruflich  zerstört und somit geschichtliche Zusammenhänge unerklärbar. Es bestehen auch sehr große Zweifel, ob eine tiefergreifende Aufarbeitung von Seiten des Bundes generell politisch gewollt ist. Was  damals, durch Hungerstreik erkämpft, Grundvoraussetzung für den Einigungsvertrag war- ist heute bereits durch Gerichtsurteile, ständige Gesetzesnovellierungen und restriktive Interpretationen, sowie offensichtlich eigenmächtige Handlungen konterkariert worden.

Auf Grund von Recherchen war festzustellen, dass der Regierung der DDR wichtigeVerhandlungsstrategien der Bundesrepublik Deutschland, ja, sogar der Nato-  stets bekannt waren. Man nahm sich so viel heraus, weil man genau wusste, wie der politische Gegner reagieren würde. Die Bundesrepublik hingegen, wusste so gut wie nichts von der DDR. Dies  war nicht zuletzt daran zu erkennen, dass man sie für bedeutend „reicher“ gehalten hatte. Bereits in den 50er Jahren saßen Agenten der Staatssicherheit in den Vorgängeroranisationen des Verfassungsschutzes. Von den Rosenholtz- Akten hört man leider so gut wie nichts.Reihenweise beschwerten sich forschende Journalisten oder Wissenschaftler über eine schleppende Freigabe von Daten.

Auch die Schwärzungspraxis nach dem Stasi- Unterlagen-Gesetz  wurde dermaßen restriktiv durchgeführt, dass Kopien völlig sinnlos wurden, weil Sinnzusammenhänge nicht erkennbar waren. Die Gesetzesänderungen führten teilweise zum völligen Stillstand der Forschungen beim BStU. Über die Software zum Sortieren der zerrissenen Dokumente wird viel referiert- aber wird sie auch angewendet, ist sie überhaupt erworben worden? Man hört nichts mehr davon.  Gegen den Gedanken einer restlosen und tiefgreifenden Aufarbeitung von DDR- Unrecht spricht auch, dass im BStU- Archiv immer noch keine Querverweise(Dritt-Namen und Signaturen)  aus den Akten elektronisch übernommen werden. Dies sollte „schon“ 2003 geschehen- ist aber  noch nicht passiert, wie  letztlich  zu unserem größten Erstaunen zu erfahren war.

Die Struktur des MfS – so verschiedene Anfragen ab  ca. 1990 ( wer war 1951 persönlicher Referent von Minister Zaisser (Staatssicherheit)), ist insoweit noch nicht sicher geklärt, indem  bis jetzt noch keine Antwort darauf zu erhalten war. Vielleicht weiß jemand aus der Internetgemeinde mehr darüber? Würde uns freuen, endlich eine Antwort zu bekommen. Ich kann mir vorstellen, dass der Frust in Forschungskreisen sehr groß ist. Und unsere Politik wird wohl nichts tun, um das zu  ändern? Der Verdacht liegt nahe, dann müsste zu viel von unserer Nachkriegsgeschichte neu geschrieben werden. Wer möchte schon gerne zugeben, dass er nur eine Marionette des Ostens war? Da sind sich dann alle Parteien gewiss einig?